Frauen und Straßen

Viernheimer Strassen und Plätze

Wer war eigentlich Maria Mandel ?

Strassen, Wege und Plätze in Viernheim, die nach Frauen benannt sind.

© 2013 Harry Maximilian Siegert

In Viernheim leben zurzeit insgesamt etwa 32.660 Menschen, davon sind
16.782 Frauen und 15.878 Männer. Ein Blick in das Strassennamenverzeichnis der Stadt zeigt uns aber - Viernheim ist eine von Männern dominierte Stadt. Von den 276 Strassen, Wegen und Plätzen in unserer Gemeinde sind bislang 125 nach Männern, aber lediglich 18 nach Frauen, ca. 5,4 Prozent, benannt. Hinzu kommt, dass einige der Strassen nach so zweifelhaften Personen wie Fritz Haber, der das Giftgas für das deutsche Heer im ersten Weltkrieg entwickelte, bezeichnet sind. Der Rest ist nach Gemarkungen, Städten oder anderweitig benannt. Abgesehen von den adeligen Damen mit ihrer ewig währenden Strassennamentauglichkeit haben nur weitere 14 Frauen die Ehre als Namenspatronin einer Viernheimer Strasse zu dienen. Zwei Strassen der „Siedlung“, die in der Nazizeit fertig gestellt wurden, sind der Literatur, nämlich dem „Nibelungenlied“ entlehnt: Kriemhild und Brunhild.

Strassennamen sind nur eine Ausdrucksform, allerdings eine breitenwirksame und alltäglich sichtbare, für die männlich geprägte Erinnerungskultur, die ihren direkten Ausdruck in der lokalen und überregionalen Geschichtsschreibung findet. Wenige Frauen lockern diese Männerriege auf, fast ausschliesslich Männer sollen die Geschicke dieser Stadt beeinflusst haben oder von Bedeutung sein. Bis heute ist dieser männlich geprägte Blick auf die Geschichte vorherrschend. In den letzten Jahrzehnten war es vor allen Dingen das Werk von „Heimatforschern“ mit verständlicherweise eingeschränktem Horizont, die den Stadtverordneten und der Verwaltung entsprechende Vorschläge unterbreitete, Diese wurden meist ohne grosse Diskussion gebilligt. Vorliegende Arbeit porträtiert in kurzen Biographien Frauen, nach denen in Viernheim Plätze oder Strassen benannt sind. So hat dieser Aufsatz einen Doppelcharakter als kleines Geschichtsbuch und als Stadtführerin. Wer aber zum Beispiel in der Maria-Mandel-Straße wohnt, kann interessantes über eine bedeutende Viernheimerin erfahren. Es schärft unseren Blick für die mangelnde öffentliche Präsenz der Frauen und die allgegenwärtigen Spuren, die sie in unserer Stadt hinterlassen haben. Es wäre wünschenswert wenn in Zukunft Frauen der Kunst und Kultur oder der Geschichte mehr Anklang bei den Verantwortlichen finden würden.

Alicenstrasse

Alice von Hessen-D 1878 Die Viernheimer Alicenstraße trägt ihren Namen nach der Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein. Alice wurde am 25. April 1843 in London als Alexandra, genannt „Alix“, Prinzessin von Großbritannien und Irland geboren. Sie war die Tochter von Königin Victoria und Albert von Sachsen-Coburg-Gotha.
Am 1. Juli 1862 wurde das 19 jährige Mädchen an den Großherzog Ludwig IV. von Hessen - Darmstadt, einem aus Sicht des englischen Hofes eher „unbedeutenden Mann von bescheidenem Einkommen“, verheiratet. Obwohl sie große Angst davor hatte, gebar Alice sieben Kinder in elf Jahren. Vielleicht deshalb engagierte sie sich schon ab 1863 für die öffentliche Gesundheitspflege und insbesondere um die Verbesserung der hygienischen Bedingungen für Wöchnerinnen in ihrem Land.
In Darmstadt gründete sie gemeinsam mit Luise Büchner (21.6.1821 – 28.11-1877, Frauenrechtlerin und Autorin, Schwester von Georg Büchner – „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“) den nach ihr benannten Kranken- und Armenpflegeverein (Alice-Verein), aus dem die freie Alice-Schwesternschaft hervorging. Großherzogin Alice und Luise Büchner entwickelten den Beruf der Krankenpflegerin ohne konfessionelle Bindung. Im Jahre 1872 fand auf Alices Einladung in Darmstadt die erste "Generalversammlung deutscher Frauen- und Erwerbsvereine" statt, bei dem es unter anderem um Frauenerwerbsarbeit bei der Post, der Eisenbahn und dem Telegraphendienst ging.
1873 starb Alices jüngster Sohn Friedrich Wilhelm, genannt „Fritty“, nach einem unglücklichen Fenstersturz an inneren Blutungen. Der dreijährige litt an der Erbkrankheit Hämophilie (Bluterkrankheit). Im selben Jahr übersetzte sie die Abhandlung „On the Homes of the London Poor“ von Octavia Hill ins Deutsche.
Im November 1878 erkrankten ihre Kinder an der Infektionskrankheit Diphtherie. Sie pflegte aufopferungsvoll die leidenden Kinder und starb vier Tage nach ihrer jungen Tochter Marie am 14. August 1878 in Darmstadt. Alice wurde im Mausoleum der großherzoglichen Familie auf der Rosenhöhe in Darmstadt beigesetzt.
Ihren Plan, eine Künstlerkolonie zu errichten, konnte sie nicht mehr selbst in die Tat umsetzen. Dies erledigte ihr Sohn Großherzog Ernst Ludwig auf der Darmstadter Ludwigshöhe. Weitere Kinder von ihr waren Viktoria Alberta Elisabeth Mathilde Marie von Hessen (1863 – 1950), verheiratet mit Ludwig Alexander von Battenberg, Ernst Ludwig von Hessen (1868 – 1937) – letzter Großherzog von Hessen und bei Rhein, Alexandra von Hessen-Darmstadt (1872 – 17.7.1918 während der russischen Revolution mit ihrem Mann und den Kindern Anastasia, Tatjana, Olga, Maria und Alexej im Ipatjewhaus in Jekaterinburg hingerichtet) – verheiratet mit Zar Nikolaus II. von Russland, sowie Irene Luise Maria Anna von Hessen - 1888 verheiratet mit Prinz Albert Wilhelm Heinrich von Preußen.

Annastraße

Prinzessin Anna, Großherzogin von Mecklenburg-Schwerin, geboren als Maria Anna Wilhelmine Elisabeth Mathilde Prinzessin von Hessen Darmstadt am 25. Mai 1843 in Darmstadt, gestorben am 16. April 1865 Schwerin/Warthe. Prinzessin Anna war eine Tochter von Elisabeth von Preußen und des Prinzen Carl von Hessen. Sie wurde im Jahr 1864 mit dem Großherzog Friedrich Franz II von Mecklenburg-Schwerin verheiratet und starb schon ein Jahr später, mit einundzwanzig Jahren, bei der Geburt einer Tochter. Sie war ein Opfer der hohen Müttersterblichkeit jener Zeit.
Daraufhin erfolgte die Benennung der Viernheimer Annastraße durch allerhöchste Kabinettsorder vom 31.7.1859.

Anne-Frank-Straße

Am 12. Juni 1929 wird Anne Frank wird als Tochter der jüdischen Eltern Edith (geb. Holländer) und Otto Frank in Frankfurt/Main geboren. Der Vater war Kaufmann. Nachdem die Nazis 1933 im Deutschen Reich die Macht erhielten, emigriert ihr Vater in das niederländische Amsterdam, wo er Direktor der holländischen Niederlassung der Firma Opekta wird.
Anne Frank, ihre Mutter und ihre Schwester Margot folgen dem Vater 1934 nach Amsterdam. Sie besucht dort den Montessori-Kindergarten und wechselt 1935 zur Grundschule.
Nachdem Deutschland 1940 die Niederlande überfällt und besetzt wird das Leben, insbesondere durch die antisemitischen Regeln und Gesetze, stark eingeschränkt. 1941 wechselt Anne als Schülerin in das jüdische Lyzeum. Am 14. Juni des Jahres 1942 beginnt Anne Frank in holländischer Sprache ihr Tagebuch zu schreiben.
Nach dem Beginn der Deportationen, am 6. Juli 1942, verbirgt sich die Familie so gut sie kann, da die Flucht aus den Niederlanden praktisch unmöglich geworden ist.
Die Familie Frank wird mit vier weiteren Menschen im Hinterhaus des väterlichen Geschäfts in der Prinsengracht 263 von den holländischen Angestellten der Firma versteckt und versorgt. In ihrem Tagebuch beschreibt Anne Frank das Leben im Versteck sowie tagespolitische Ereignisse. Das Zusammenleben von acht Menschen auf engstem Raum und die sich daraus ergebenden Konflikte schildert sie ebenso wie ihre eigenen Krisen.
Im Juni 1943 werden von den Deutschen 1.250 Kinder aus den Niederlanden deportiert. Anne berichtet darüber in ihrem Tagebuch. Im Sommer 1944 fertigt Anne Frank eine Reinschrift ihres Tagebuchs. Sie hat die Absicht es nach der Verfolgung und dem ersehnten Kriegsende als Buch mit dem Titel "Het Achterhuis" (das Hinterhaus) zu veröffentlichen.
Am 1. August 1944 kann sie die letzte Eintragung in ihrem Tagebuch vornehmen. Drei Tage später, am 4. August 1944, wird das Versteck verraten. Alle dort Verborgenen Menschen werden von der Polizei verhaftet und verschleppt. Die holländischen Angestellten der Firma Opekta finden Anne Franks Tagebuch.
Anne Frank kommt mit ihrer Schwester zuerst in das Arbeitslager Westerbork. Dann über das Vernichtungslager Auschwitz nach Bergen-Belsen. Im März 1945, einige Wochen vor der Befreiung, stirbt die gerade 15 jährige Anne Frank im KZ Bergen-Belsen an Typhus.
Im Juni 1947 Juni gibt ihr Vater, der einzige Überlebende der Familie, das Tagebuch in Amsterdam heraus. Es wird in 55 Sprachen übersetzt und erzielt als Zeitdokument außerordentliche Wirkung. Am 2. Oktober 1956 findet die deutsche Erstaufführung des Theaterstücks "Das Tagebuch der Anne Frank" im Rahmen der Berliner Festwochen statt. Drei Jahre später, im Jahr1959, wird der bekannte Film zum Tagebuch gedreht

Elisabethenstraße

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Blick in die Elisabethenstraße, die “kürzeste Straße der Stadt” im Oktober 2007 (Bild: hasi)

Es sind gerade mal 81 kurze Schritte, dann ist man schon durch. Durch die wohl kürzeste Elisabeth v. Hessen-Darmstadt 1Straße in Viernheim. Sie trägt den schönen Namen Elisabethenstraße, nach Elisabeth Alexandra Luise Alice von Hessen-Darmstadt.
Am 1. November 2014 können wir ihren 150. Geburtstag feiern. Sie war die zweite Tochter des großherzoglichen Paares Alice und Ludwig, nach denen andere Straßen benannt sind. Gerufen wurde das Kind einfach „Ella“. Als junges Mädchen hatte sie viele Verehrer, denn sie war nicht nur bezaubernd schön, sondern eine echt gute Partie, zumal eine ihrer Großmütter Queen Victoria war. Ihr Cousin, der spätere Kaiser Wilhelm II., bemühte sich sehr um sie. Doch sie verliebte sich in den russischen Großfürsten Sergei Alexandrowitsch Romanov. Der galt als äußerst unsympathisch, despotisch und brutal. Die Familie wollte die Verbindung verhindern, zumal Queen Victoria schon den Erbprinzen von Baden als Bräutigam bestimmt hatte. Ella setzte sich jedoch zu ihrem Unglück durch und heiratete mit 19 Jahren den Großfürsten. Es wurde eine sehr unerfreuliche und kinderlos Ehe. Im Alter von siebenundzwanzig Jahren trat Elisabeth der orthodoxen Kirche bei und bekam den Namen Jelisaweta Fjodorowna. Ihr Mann fiel 1905 einem Attentat zum Opfer. Danach widmete Elisabeth ihr Leben den Leidenden und Armen. Sie war entschiedene Gegnerin des Wunderheilers Rasputin und geriet darüber mit ihrer Schwester, der Zarin Alexandra, in Streit. Während des Bürgerkrieges verbannte man sie nach Sibirien. In den Wirren der Revolution wurde sie mit anderen Mitgliedern der Romanowdynastie am 18. Juli 1918 in Alapajewsk im Ural ermordet. Die britische Regierung setzte durch, dass ihre sterblichen Überreste 1921 nach Jerusalem gebracht gebracht werden konnten. Dort fand sie im Maria-Magdalena-Kloster ihre letzte Ruhestätte.

 

Astrid-Lindgren-Weg

Am 14. November 1907 wird Astrid Anna Emilia Ericsson auf Næs bei Vimmerby im schwedischen Småland als Kind des Pfarrhofpächters Samuel August Ericsson und seiner Frau Hanna geboren. Sie hat einen älteren Bruder und zwei jüngere Schwestern. Astrid Ericsson kommt 1914 in die Schule und schreibt dort auffallend gute Aufsätze. Nach dem Schulabschluss begnnt sie bei einer Zeitung in Vimmerby eine Lehre. Es folgt eine Ausbildung als Sekretärin in Stockholm. 1926 wird ihr Sohn Lars wird geboren und 1931 heiratet sie Sture Lindgren. Tochter Karin wird 1934 geboren. Mitten im 2. Weltkrieg, im Jahre 1941, zieht Familie Lindgren in die Wohnung Dalagata in Stockholm, in der Astrid Lindgren bis zu ihrem Lebensende wohnt.

Astrid Lindgren schreibt 1944 die Geschichte von Pippi Langstrumpf als Geburtstagsgeschenk für ihre Tochter auf. Sie schickt das Manuskript an einen Verlag, der es jedoch ablehnt. Im selben Jahr gewinnt Astrid Lindgren mit einem Mädchenbuch den zweiten Preis in einem Wettbewerb des Verlages Raben & Sjögren.
1946 Astrid Lindgren erhält sie den geteilten ersten Preis im gleichen Wettbewerb für „Meisterdedektiv Blomquist“ in der Kategorie Jugendkrimis. 1947 erscheint in Schweden der erste Band der „Kinder aus Bullerbü“.
Der Hamburger Verleger Friedrich Oetinger lernt sie 1949 in Stockholm, und im Herbst erscheint die deutsche Erstausgabe von „Pippi Langstrumpf“. Am 27. Oktober 1950 wird ihr erster Enkel Mats (Sohn von Lars) geboren. 1952 stirbt ihr Mann Sture Lindgren. In Schweden erscheint 1954 „Mio, mein Mio“, ein Jahr später der erste Band von Karlsson. 1958 wird Astrid Lindgren für „Rasmus und der Landstreicher“ und das Gesamtwerk ausgezeichnet. 1960 erscheint „Madita“ und 1963 der erste Band von Michel, ein Jahr später „Ferien auf Saltkrokan“.

Astrid Lindgren erhält 1965 den Schwedischen Staatspreis für Literatur für ihr Gesamtwerk. Sie kauft ihr Geburtshaus in Næs. In Berlin-Spandau wird 1966 die erste Schule in Deutschland nach Astrid Lindgren benannt. 1973 wird sie zum Dr. phil. honoris causa der Universität Linköping ernannt. Ihr Buch „Die Brüder Löwenherz“ erscheint in Schweden und Deutschland.
1978 wird Astrid Lindgren als erste Kinderbuchautorin mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Zu diesem Anlass hält sie die viel beachtete Rede „Niemals Gewalt“. Sie wird zum Ehrendoktor der Universität Leicester ernannt. Es folgt 1981 „Ronja Räubertochter“. In Kiel/Mettenhof wird 1984 die erste Straße in Deutschland nach Astrid Lindgren benannt.
Besonders in den Jahren 1985 bis 1989 setzt sie sich zusammen mit Kristina Forslund für den Tierschutz ein und streitet sich heftig mit den Ministern und wichtigen Vertretern aus der Landwirtschaft. Sie fordert die Abschaffung der katastrophalen Missstände in der Massentierhaltung und löst damit in Schweden Diskussionen über den Tierschutz aus.
1986 erhält sie den Selma-Lagerlöf-Literaturpreises. Mit dem Preisgeld gründet sie die Stiftung Solkatten für behinderte Kinder.
Mit 90 Jahren sadt sie in einem Interview, jetzt wolle sie sich vom Schreiben ausruhen. In einer Umfrage der Zeitschrift Expressen wird sie zur "Schwedin des Jahres in der Welt" gewählt. Im nächsten Jahr wird sie in einer Umfrage der Tageszeitung Aftonbladet zur beliebtesten Schwedin des Jahrhunderts gewählt. Am 28. Januar 2002 stirbt Astrid Lindgren im Alter von 94 Jahren.

Brunhildstraße
 

Dina-Weißmann-Allee

Dina Weißmann wurde als Tochter des jüdischen Ehepaares Hochstädter am 19. März 1867 im südhessischen Lampertheim geboren. Die Familie Hochstädter waren Kaufleute. Sie heiratete den Kaufmann Hermann Weißmann (8. Juli 1859 – 30.März 1935) aus Viernheim. Die junge Familie wohnte in ihrem Haus in der Hügelstraße Nummer 4. Nach den ersten Judenpogromen, aber auch um der Verfolgung durch ihre deutschen Mitbürger zu entgehen, ging sie 1939 nach Mannheim. Dina Weißmann glaubte dort, durch die vermeintliche Anonymität in der Großstadt, besser geschützt zu sein. Dort wohnte sie in der Nähe zum Hauptbahnhof im Hause M 7, 17. Von dort wurde sie am 22. Oktober 1940 zwangsweise in das im Südwesten Frankreichs gelegene Internierungslager „Camp de Gurs“ verschleppt. Dort verliert sich die Spur von Frau Weißmann. Sie kam dort vermutlich, unter nicht geklärten Umständen, ums Leben.

Gro- Harlem-Brundtland-Straße
 

Käthe-Kollwitz-Straße
 

Kriemhildstraße
 

Lise-Meitner-Straße
 

Luise-Aston-Straße
 

Luisenstraße

Landgräfin von Hessen-Darmstadt, Großherzogin von Hessen und bei Rhein, geboren am 15. Februar 1761 in Darmstadt, gestorben am 24. Oktober 1829 auf dem „das Fürstenlager“ genannten Schloss in Auerbach an der BergstraßLouise_füla-webe.

“Damenbau” in Schloss Auerbach. Bild hms.

 Luise heiratete 1777 ihren Cousin Ludwig X., den 1753 in Prenzlau geborenen Sohn ihres Onkels Ludwig IX. (15.12.1719-6.4.1790) und Karoline von Zweibrücken-Birkenfeld (9.3.1721-30.3.1774). Es soll eine „Herzensheirat“ gewesen sein. Ludwig X., der spätere Großherzog Ludwig I. von Hessen-Darmstadt, hatte trotz allem die eine oder andere Liaison. Luise stand ihrem Gatten in nichts nach, denn sie war eine „begehrliche Dame und hatte eine Reihe von Anbetern und Liebhabern“. Sie brachte insgesamt acht Kinder zur Welt, Ludwig 1777, Luise 1779, Georg 1780, Friedrich 1788, Zwillingstöchter 1789 (die bei der Geburt starben), Emil 1790 und Gustav 1791. Johann Wolfgang Goethe verkehrte an ihrem Hof und Friedrich Schiller las 1784 in ihrem Salon aus seinem „Don Carlos“. Unter den damals großen Künstlern traten damals der „Teufelsgeiger“ Nicoló Paganini und die Opernsängerin Henriette Sontag in Darmstadt auf. Napoleon Bonaparte hielt sie für eine der geistreichsten Frauen ihrer Zeit. Der Kaiser der Franzosen versprach ihr, als er 1813 einen seiner Feldzüge begann, er werde ihr bei seiner Rückkehr eine Krone (die preußische?) mitbringen. Der Darmstädter Hof kooperierte eng mit den Franzosen. Sie war mit der jüngsten Tochter Kaiserin Maria Theresias, Maria Antonia, der Königin Marie Antoinette von Frankreich (geboren am 2.11.1753, hingerichtet am 16.10.1793 in Paris auf dem Place de la Révolution) befreundet. Der Briefwechsel zwischen beiden von 1780 bis 1792 ist in dem Buch „Darmstadt und sein Hof zur Zopfzeit“ in Auszügen veröffentlicht. Ihre „goldene Hochzeit“ wurde 1827 mit viel Pomp gefeiert. Alljährlich gab sie den Kindern des Waisenhauses ein Fest im "Prinz-Georgs-Garten". In ihre Zeit fiel auch der Bau der monumentalen katholischen Kuppelkirche St. Ludwig (Namensgeber war Ludwig I.) auf dem späteren Wilhelminenplatz. Die Grundsteinlegung war 1822, die Einweihung 1827. Luise ist im Mausoleum auf der Rosenhöhe in Darmstadt beigesetzt.

Maria-Mandel-Straße

Maria MandelMaria Mandel wurde am 23. Februar 1905 in Viernheim als Maria Pfenning geboren. Maria Mandel war überzeugte Sozialistin und in der Kommunistischen Partei Deutschlands aktiv. Sie führte in Viernheim und Umgebung die „Rote Hilfe“, eine Untergrundorganisation, die insbesondere verfolgte Kommunisten und Widerstandskämpfer vor den deutschen Nazis versteckte, sie und ihre Familien mit Geld, Lebensmitteln oder Kleidern versorgte. Sie wurde von der Viernheimer Polizei und der Geheimen Staatspolizei (GESTAPO) überwacht und verfolgt. Die Post wurde beschlagnahmt. Am 29. September 1933 wurde Maria Mandel, wie es zynisch hieß „in Schutzhaft“ genommen und in Mannheim eingesperrt Dann wurde sie von der Viernheimer Polizei verhört und daraufhin im Darmstädter Landgerichtsgefängnis interniert. Dort hatte sie Lese- und Schreibverbot, durfte keine Post und keinen Besuch empfangen. Sie war wegen eines Witzes, den sie über Hitler machte, denunziert worden. Nach ihrer Haftentlassung arbeitete Maria Mandel für die KPD und die Rote Hilfe im Untergrund weiter und verfasste Handzettel und Flugblätter zur Aufklärung und gegen das Naziregime. Sie organisierte Treffen von Widerstandszellen und war als Kurier für den Widerstand zwischen Frankreich, dem Saarland und dem Deutschen Reich tätig. Die geheimen Zusammenkünfte fanden in der Gaststätte gegenüber dem ehemaligen Reichsbahnhof, im Hause Friedrich-Ebert-Straße 4 statt. Sie heiratete den Schreinermeister Willy Mandel (1. Juni 1907 bis 30.Mai 1988). Willy Mandel war 1932 in die KPD eingetreten und leitete die Ortsgruppe der Partei in Viernheim. Er hatte seine Werkstatt im Hinterhaus eines Anwesens in der Friedrichstraße.
Am 7. September 1934 wurde sie erneut verhaftet und erst zur Geburt ihres Kindes entlassen. Im Juli 1935 wurde Maria Mandel zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Willy Mandel wurde im KZ Osthofen bei Worms interniert (dort erinnert eine Gedenktafel an ihn) und wurde zwei Jahre später, am 12. Juni 1937 vom Oberlandesgericht Stuttgart zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach der Befreiung und dem Ende der Diktatur engagierte sich Maria Mandel wieder in der KPD und in der Kommunalpolitik. Sie war im Gemeinderat und maßgeblich an den guten Wahlergebnissen der Kommunisten in Viernheim beteiligt. Sie half vielen Menschen ganz persönlich aus ihrer Not. Noch heute wird mit Respekt und großer Hochachtung in der Stadt von ihr gesprochen.
Zu ihrem erschrecken musste Maria Mandel erleben, dass die Regierenden in der Bundesrepublik Deutschland, genauso wie einst die Nazis, 1956 wiederum die KPD verboten haben und Kommunisten verfolgten. Maria Mandel, „der Engel von Viernheim“, wie sie von vielen dankbaren Menschen genannt wurde, starb, nur 60 Jahre alt, am 14. Juli 1965 in Viernheim.

M. Mandel_R. & M. Georgi hms

Maria Mandel, Richard und Maria Georgi. Besuch der Wartburg in Eisenach.
Anlässlich eine Reise zur Gedenkstätte Kz Buchenwald 1959 . (Bild Archiv hms)

 

Marie-Curie-Straße

Mathilde-Franziska-Anneke Straße

Schwester-Paterna-Allee

Als Anna Heß 1902 im schwäbischen Wurmlingen geboren. Später, als Ordensfrau, nannte sie sich Schwester Paterna. In Viernheim lebte sie seit 1939 und arbeitete segensreich ehrenamtlich. Für ihren unermüdlichen Einsatz für Kranke und Bedürftige wurde sie von vielen Menschen sehr verehrt und auch mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Am „roten Platz“ in Viernheim, gegenüber dem Eingang zur Apostelkirche (Passage), steht ein Bronzedenkmal des Künstlers Marek Zalewski. Es zeigt Schwester Paterna in Ordenstracht unterwegs mit ihrem Fahrrad, wie sie viele Jahre zum Viernheimer Stadtbild gehörte. Der kleine Rosenstrauß in ihrer Hand steht für die kleine Freude, die sie sich in ihrem kleinen Blumengarten bereitete. Im Stadtgebiet „Bannholzgraben“ wurde eine Straße nach ihr benannt. Anna Heß starb 1986 in Viernheim und wurde im Grab der Niederbronner Schwestern auf dem alten Friedhof an der Lorscher Straße beigesetzt.

Walpurgastraße

Wird kontinuierlich fortgeschrieben und ergänzt!

 

 

 

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